Molybdän (Mo)

Werkstoff mit guter Umformbarkeit und hoher Kriechfestigkeit

Mit einem Schmelzpunkt von 2623 °C zählt Molybdän zu den temperaturbeständigsten Metallen überhaupt. Es behält seine mechanische Festigkeit auch unter hoher thermischer Belastung und bleibt selbst bei starken Temperaturwechseln formstabil. Das macht es besonders geeignet für Bauteile, die über lange Zeit exakte Maßhaltigkeit bewahren müssen. Gleichzeitig sorgt die hohe thermische und elektrische Leitfähigkeit für eine stabile Wärmeabfuhr und präzise Stromübertragung.

Im Vergleich zu Titan-Zirkon-Molybdän (TZM) zeigt reines Molybdän eine geringere Wärmeausdehnung und eine höhere Oxidationsbeständigkeit. Es eignet sich daher besonders für Anwendungen, bei denen Maßhaltigkeit und Beständigkeit gegenüber Oxidation entscheidend sind.

Zusammensetzung von Molybdän

  • 42

    Molybdän

    Mo

    100%

Zentrale Eigenschaften

  • Hitzebeständigkeit

    Mit einem Schmelzpunkt von 2623 °C übertrifft Molybdän alle Industriemetalle außer Wolfram und Rhenium. Diese Temperaturstabilität ermöglicht den kontinuierlichen Betrieb bei über 2000 °C in Schutzgasatmosphäre. In Glasschmelzöfen und Sinterprozessen bleibt das Material auch nach tausenden Zyklen strukturell stabil.

  • Maßstabilität

    Der thermische Ausdehnungskoeffizient von nur 4,8 × 10⁻⁶/K ist 60% geringer als bei Edelstahl. Dies bedeutet: Bei einer Temperaturdifferenz von 1000 °C dehnt sich ein 1-Meter-Molybdänstab lediglich um 4,8 Millimeter aus. Diese geringe Ausdehnung ist entscheidend für die Maßhaltigkeit in Präzisionswerkzeugen und in Anlagen der Halbleiterfertigung.

  • Festigkeit

    Molybdän erreicht bei Raumtemperatur Zugfestigkeiten über 750 MPa. Die Kombination aus mechanischer Festigkeit und hoher Temperaturbeständigkeit macht es zu einem bevorzugten Werkstoff für Strukturbauteile unter extremer thermischer Belastung.

  • Dichte

    Mit 10,2 g/cm³ bietet Molybdän die nötige Masse für Trägheitsdämpfung und Schwingungsunterdrückung. In Präzisionswerkzeugmaschinen und Röntgenanoden sorgt diese Dichte für vibrationsdämpfende Eigenschaften und thermische Stabilität.

  • Oxidationsresistenz

    Bei hohen Temperaturen bildet Molybdän eine schützende MoO₃-Schicht, die weiteren Sauerstoffangriff verhindert. Damit ist ein Langzeitbetrieb in oxidierenden Atmosphären bis 600 °C ohne zusätzliche Beschichtung möglich, etwa in Heizleitern und Ofenbauteilen.

Physikalische und mechanische Eigenschaften

Eigenschaften

Einheit

Wert

Zugfestigkeit (Rm)

MPa

≥ 750

Härte (Vickers)

HV30

130–150

Elektrische Leitfähigkeit

% IACS

≥ 30

Elektrische Leitfähigkeit

Sm/mm²

≥ 16

Dichte bei 20°C

g/cm³

10,2

Schmelztemperatur (Liquidus)

°C

2620–2623

Linearer Ausdehnungskoeffizient (20°C - 300°C)

x 10⁻⁶/K⁻¹

4,8–5,3

Wärmeleitfähigkeit bei 20°C

W/(m·K)

138–142

Erweichungstemperatur

°C

1200

Dehung bei 20°C

%

≥ 10

0,2-Limit

N/mm²

≥ 600

Wärmeausdehnungskoeffizient (20 °C - 2000 °C)

µm·m⁻¹·K⁻¹

> 4,9

Die angegebenen Werte verstehen sich als Mindestangaben, Durchschnittswerte oder Toleranzbereiche. Wenn Ihre Anwendung spezifische Werkstoffanforderungen stellt, zum Beispiel eine definierte thermische Stabilität, eine erhöhte mechanische Belastbarkeit oder eine besondere chemische Beständigkeit, entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen eine passende Ausführung. Sprechen Sie uns gerne an.

Industrieanwendungen

Typische Einsatzbereiche von Mobybdän im industriellen Umfeld

  • Hochtemperaturtechnik

    Die hohe Schmelztemperatur und Formstabilität unter thermischer Belastung machen Molybdän geeignet für extreme Temperaturbereiche. Verwendet wird der Werkstoff unter anderem für Glasschmelzelektroden, Trägerplatten, Führungselemente und Abschirmungen in Hochtemperaturöfen.

  • Halbleiterindustrie

    Dank thermischer Stabilität und guter elektrischer Leitfähigkeit bewährt sich Molybdän in Vakuum- und Dünnschichtprozessen. Eingesetzt wird er für Backend-Kontakte, Halterungen und Gate-Strukturen in der Halbleiterfertigung.

  • Energietechnik

    Die Kombination aus Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit macht Molybdän geeignet für Energieumwandlungssysteme. Typische Anwendungen sind Komponenten für Brennstoffzellen, Hochtemperaturreaktoren und thermische Solarsysteme. In der Photovoltaik dient er als Sputtertarget zur Herstellung leitfähiger Kontaktschichten.

  • Metallverarbeitende Industrie

    Als Legierungszusatz verbessert Molybdän die Härte, Warmfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit von Stählen. Darüber hinaus kommt er in Werkzeugen, Halterungen und Ofenkomponenten zum Einsatz, insbesondere in Prozessen mit hoher thermischer und mechanischer Belastung.

  • Lichttechnik

    Der wolframnahe Ausdehnungskoeffizient und die strukturelle Stabilität bei hohen Temperaturen machen Molybdän geeignet für elektrische Bauteile im Beleuchtungsbereich. Verwendet wird er in Drähten, Haltern und Glas-Metall-Durchführungen von Glühlampen und Halogenleuchten.

Herstellungsprozess

Der Herstellungsprozess einer Molybdän-Stange umfasst mehrere Schritte, um die gewünschten Materialeigenschaften zu erreichen.


  • 1
    Schritt 1

    Rohstoffgewinnung

    Molybdän wird primär aus dem Mineral Molybdänit (MoS₂) gewonnen, das meist als Nebenprodukt beim Kupfererz-Abbau anfällt. Das Erz wird durch mechanische Verfahren wie Zerkleinerung und Flotation aufkonzentriert.


  • 2
    Schritt 2

    Röstung und Reduktion

    Das gewonnene MoS₂-Konzentrat wird in Röstofenanlagen bei ca. 600–700 °C in Gegenwart von Sauerstoff behandelt um Schwefeldioxid zu entfernen und Molybdänoxid zu gewinnen. Dieser Vorgang verbessert zudem die Reinheit des Molybdäns.


  • 3
    Schritt 3

    Reinigung und Reduktion

    Das rohe MoO₃ enthält noch Verunreinigungen wie Kupfer, Eisen oder Blei, es wird daher chemisch gereinigt. Im Nachgang wird es in Wasserstoffatmosphäre bei ca. 1000-1200° C zu Molybdänmetall reduziert.


  • 4
    Schritt 4

    Pulververdichtung

    Das gewonnene Molybdänpulver wird in Formen gefüllt und unter hohem Druck isostatisch oder axial gepresst, um sogenannte Grünlinge (ungebrannte Rohkörper) zu erzeugen. Diese haben bereits die Form des späteren Produkts, sind aber noch mechanisch schwach.


  • 5
    Schritt 5

    Sintern

    Die gepressten Körper werden bei über 2000 °C in einer Schutzatmosphäre gesintert. Dabei verbinden sich die Molybdänpartikel zu einem festen Metallkörper mit hoher Dichte und Festigkeit.


  • 6
    Schritt 6

    Schmieden und Walzen

    Nach dem Sintern werden die Molybdänpressbolzen geschmiedet und gewalzt, um Stangen in der gewünschten Form und Größe zu erhalten.


  • 7
    Schritt 7

    Wärmebehandlung

    Zur Verbesserung der mechanischen und physikalischen Eigenschaften werden die gewalzten Stäbe einer Wärmebehandlung unterzogen. So wird die Duktilität und Zähigkeit des Molybdäns erhöht.


  • 8
    Schritt 8

    Oberflächenbehandlung

    Verunreinigungen werden durch Schleifen, Polieren oder eine chemische Behandlung entfernt.


  • 9
    Schritt 9

    Qualitätskontrolle und Prüfung

    Der Herstellungsprozess der Molybdänstangen wird streng kontrolliert, um die hohen Qualitätsanforderungen zu erfüllen.


  • 10
    Schritt 10

    Verpackung und Versand

    Die fertigen Molybdänstangen werden verpackt und für den Versand vorbereitet. Dabei werden spezielle Verpackungsmaterialien verwendet, um die Stäbe während des Transports vor Beschädigungen zu schützen.

Der Prozess stellt sicher, dass Molybdän-Bauteile die für den industriellen Einsatz erforderlichen Werkstoffeigenschaften aufweisen. Dazu zählen hohe Temperaturbeständigkeit, geringe thermische Ausdehnung, hohe Steifigkeit und gute Bearbeitbarkeit.

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